Park- und Bäderarchitektur des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Hanau - Wilhelmsbad
Die Kuranlagen und der Park von Wilhelmsbad sind beispielhaft für diese Anlagen des 18. Jahrhunderts. Nach langem Dornröschenschlaf wurde die Gesamtanlage in den vergangenen Jahren vom Land Hessen grundlegend saniert und wird im Herbst 2010 wieder eröffnet.
Das Staatsbad entstand zwischen 1777 und 1785 auf Geheiß des Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel. Bereits 1709 hatten im Wald bei Hanau zwei Kräuterfrauen eine Quelle entdeckt, deren Wasser auch medizinisch angewendet wurde. So schrieb Wilhelm in seinen Lebenserinnerungen über die Quelle, „die mich persönlich von einer Knochenprellung, welche ich mir in Ansbach zugezogen, kuriert hatte“. Folgerichtig begann er 1777 mit dem Bau eines vornehmen Badeorts, um die Quelle auch wirtschaftlich und gesellschaftlich zu nutzen.
Ursprünglich hatte der Erbprinz für den Bau 8.000 Gulden vorgesehen, jedoch fand er so großen Gefallen an seinem neuen Bad, dass er hier in den folgenden fünf Jahren über 200.000 Gulden investierte. Es entstand eine Aufreihung heller, fein gegliederter Kurhäuser, die sich zu einem Park nach englischem Vorbild öffneten. In diesem befand sich ein kleiner Brunnentempel sowie viele Attraktionen zur Unterhaltung der Badegäste, darunter beispielsweise eine künstliche Burgruine, ein großes Karussell in Form eines griechischen Rundtempels, eine idyllische Insel mit einem Grabmal nach dem Vorbild der Cestius-Pyramide oder ein schneckenförmiger Aussichtshügel mit weitem Blick in die Landschaft.
Zunächst erlebte der Badebetrieb glanzvolle Höhepunkte. So besuchten Kaiser Franz II. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland und der preußische König Friedrich Wilhelm III. im September 1818 die Kuranlage. Jedoch erwies sich die Quelle bald als wenig ergiebig, versiegte im frühen 19. Jahrhundert ganz und brachte so den Kurbetrieb vollständig zum Erliegen.
„Des einen Uhl is des annern sin Nachtigall“ sagt ein norddeutsches Sprichwort. Und das gilt auch für das süddeutsche Wilhelmsbad, denn nach dem Ende des Badebetriebes blieben die Kuranlagen weitgehend unberührt erhalten und sind heute ein in Deutschland einzigartiges Beispiel einer Kur- und Badeanlage des späten 18. Jahrhunderts mit einem englischen Landschaftspark voller historischer Attraktionen.
Datum: | 25. – 26. September 2010 | |
Ort: | Hanau-Wilhelmsbad | |
Seminargebühr: | 135 € |
